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Pressestimmen, Testberichte

 

 

Tobias Archtop

von Andreas Polte

 

Der seit 2004 in Viersen ansässige Archtopgitarren- und Kontrabass- bauer Tobias Pöhling ist das “jüngste” Mitglied dieser kleinen und feinen Szene in Deutschland.
Das hat ihn aber nicht daran gehindert, zuvor in Australien und in England, wo er u.a. auch seine Ausbildungen (Gitarrenbauer und Geigenbauer) absolvierte, seine Instrumente zu fertigen.
Auch Flattops befinden sich in seinem Fertigungsprogramm.
Der Einfluss aus dem Geigenbau ist es nun auch, der die Tobias - Archtops kennzeichnet: Leichte Ausführung und Saitenhalter - Aufhängung sind dabei offensichtlich; doch dazu später mehr.

Zum Test sandte mir Tobias eine dunkelblonde Archtop mit Korpusbreite 43 cm, also ganz dezent um 0,5 cm breiter als eine L5. Zunächst fällt natürlich die Optik der Gitarre auf. Die dezenten Farbnuancen, die Wahl der Materialien. Und da schöpft Tobias aus dem Vollem: Fichtendecke mit Parallelbebalkung) aus europäischer Fichte, europäischer Ahorn für den Korpus und kanadischer Ahorn für den Hals.
Das diese Dinge bei Tobias handgearbeitet sind, ist selbstverständlich. Handgearbeitet sind aber auch Saitenhalter, Steg, Abdeckung der Einstellschraube für den Stahlstab und Schlagbrett, die aus dem gleichen dunklen Ebenholz bestehen, wie das Griffbrett. Ein sehr schönes Detail ist auch das farblich gut abgestimmte Holzbinding des Korpus. Sehr passend dazu sehen die Mechaniken aus: Gold mit Ebenholzflügeln (Kluson).

Die handwerkliche Verarbeitung ist tadellos, alles arch-tip-top; subjektiv handelt es sich um eine sehr schöne Gitarre. Auffällig der große Kopf der Gitarre.

Die wesentlichen Maße: Korpusbreite 43 cm, Mensur 63,5 cm, Halsbreite 1.Bund 4,8 cm und im 12. Bund 5,5 cm.

Wenn man die Gitarre in die Hand nimmt, fällt sogleich das geringe Gewicht der Gitarre auf. Sie ist kaum schwerer als eine klassische Gitarre. Es liegt an der auffällig leichten Bauform des Korpus. Wie bereits geschrieben ist dies ein Detail, das Tobias dem Geigenbau entlehnt hat. Außer der Einsparung von Gewicht hat dies zwei weitere Folgen: Zum einen klingt die Gitarre dadurch lauter und “luftiger” als eine vergleichbare dickere Deckenart. Zum anderen neigt sie aber eher zum Feedback, was die Anwendung auf sehr lauten Bühnen einschränkt.

Trocken gespielt, entwickelt sie dann auch den sehr schönen luftigen und lauten akustischen Ton, den man erwartet hat. Der Klang besitzt viel Durchsichtigkeit und Ausgewogenheit, angenehme Mitten und dezent schimmernde Höhen. Akustisch hat sie fast alle Gitarren übertroffen, die zur fraglichen Zeit bei mir standen, sogar mit einer Lang hält sie sehr gut mit. Die Tobias ist etwas “holziger” im Ton.

Angeschlossen an einen Verstärker kann sie ihre Klangeigenschaften gut rüberbringen. Der Kent Armstrong Floating-PU und der Tobias-Eigene Akustik-PU haben sehr schöne Sounds ergeben, die sehr angenehm nach dem klingen, was wir von guten Aufnahmen kennen. (Nähres zum Tobias-PU-Test hier).
Wenn man die Gitarre mit dem Tobias-PU ordert, kann man auch selber mitreden, wo die Elektronik eingebaut wird.
Bei der Testversion ist das Batteriefach unauffällig im Zargen, die restliche Elektronik unter dem Schlagbrett untergebracht. Auch hier ist Tobias für Kundenwünsche offen, sogar externe Lösungen sind möglich.

Die Gitarre hat aber einen geringeren Output, als normal. Ist für ich nicht so schlimm, ich möchte ja nicht verzerrt spielen, aber trotzdem auffällig. Es führt nämlich zu vermehrten Verstärkerrauschen, da man den Amp weiter aufdrehen muss; wenig problematisch bei meinem AER aber beim Polytone hörbar. Bei Tobias nachgefragt ist zu hören, dass er bereits an einer verbesserten Elektronik arbeitet, die die positiven Klangeigenschaften beibehält, aber mehr Output bringt (diese Elektronik ist inzwischen eingebaut und hat die hier beschriebenen Probleme beseitigt).

Ungewöhnlich für ein modernes Instrument war für mich der Hals der Gitarre, der vom Spielgefühl eher an eine Vintage-Gitarre erinnert. Für gewohnte Spieler dieser Gitarren gut, für mich nicht. Laut Tobias ist das aber kein Problem; er baut die Gitarrenhälse ohnehin so, wie der Kunde sie möchte, ob dick oder dünn - kein Problem. Selbst bei einer bereits fertiggestellten Gitarre kann er den Hals in seinem Durchmesser noch dünner machen - ebenfalls kein Problem. Auf Sonderwünsche seiner Kunden geht Tobias gerne ein - und das in der Regel ohne Aufpreis.

Zum Thema Preis: So wie diese Gitarre gefertigt ist, ist sie sozusagen das Grundmodell von Tobias; simpler möchte er nicht bauen. Bei handgefertigten Ebenholzteilen ist das schon ziemlich aufwändig. Sie kostet ohne PUs 2.900.00 Euro, was ich für ein ausgesprochen gutes Preis-Leistungsverhältnis halte. Mit Kent Armstrong kommt sie auf 3.050,00, zusätzlich mit dem Tobias-PU auf 3.300,00 Euro. Standard ist DD-Lackierung. Nitro gibt es gegen Aufpreis. Diese Angaben beziehen sich auf Kunden-Neufertigungen.

Die Gitarren, die momentan bei Tobias stehen, gibt er auch schon mal etwas günstiger ab (wenn das kein Weihnachtsschnäppchen ist ;-)

Übrigens bietet Tobias eine kostenlose Inspektion seiner Gitarren nach sechs Monaten an - guter Service.

 

 

Tobias Pöhling Akustik PU

von Andreas Polte

Seit geraumer Zeit schon sucht die Archtop-Gemeinde nach hervorragend klingenden “Acoustic-PUs”, der die Klangqualitäten der akustischen Archtop möglichst getreu wiedergibt. Dazu gibt es bereits einige Systeme auf dem Markt.

Der Tobias-PU war bereits Thema im Forum und hat dort für zwei positive Resonanzen gesorgt. Tobias war so nett, mir eine seiner Archtops zu senden, auf der der PU bereits installiert ist.

Verglichen habe ich den Sound des Tobias-PU mit einem PU, dessen Klang den meisten von uns bekannt sein dürfte: Fishman (installiert auf einer Lang).

Wie immer begnügte ich mich nicht mit dem einfachen hören über meinen Acousticube von AER, sondern nahm die Signale auf, um sie über Yamaha NS10 Studiomonitore zu vergleichen.

Der PU ist nicht im, sondern unter dem Steg befestigt, so dass er direkten Kontakt mit der Decke der Archtop hat.

Die Besonderheit ist “ohrenscheinlich” nun, dass er im Vergleich sehr viel akustischer ist, eben mehr Holz der Gitarre herüberbringt. Sehr durchsichtig und transparent klingt er und näselt auch nicht in Piezo-Manier daher.

Das Spiel mit der Klangreglung des AER oder am Mischpult bringen sehr schöne klare Ergebnisse. Mischt man nun den Hals-PU der Gitarre dazu, ergeben sich sehr schnell mehrere angenehm klingende Versionen des gesuchten Sounds.

Die Montage des aktiven PUs sollte von einem Fachmann, am besten natürlich durch Tobias selbst ausgeführt werden. Die komplette Elektronik wird unter dem Schlagbrett befestigt und stört damit nicht das Auge des geneigten Betrachters von Archtop-Schönheiten. Über zwei Regler auf dem Schlagbrett kann man nun die Gesamtlautstärke der Gitarre und das Mischungsverhältnis zwischen dem Tobias-PU und einem anderen PU auf der Gitarre regeln. Sehr schön ist, dass das Poti in Mittelstellung dezent einrastet. Die Ausgangslautstärke der beiden PUs ist getrennt über je ein Trim-Poti voreinstellbar.

Neben dem Gurthalte-Pin, der hier auch noch die Buchse für das Kabel enthält, hat Tobias ein Batteriefach eingebaut, das die Optik der Gitarre nicht mindert, da man sie nur aus diesem Winkel sehen kann.

Der Tobias-PU kann auch nachträglich in andere Archtops eingebaut werden. In seinen eigenen Gitarren bewirkt der Einbau des PUs einen Aufpreis von 250,00 Euro (Hardware und Arbeitsaufwand). Der Preis ist meiner Meinung nach gerechtfertigt, weil man ein sehr gut klingendes und durchdachtes Feature in seine Gitarre integriert bekommt. Möglicherweise können im Einzelfall weitere Kosten entstehen, wenn der Steg nicht passend ist. Wer kein Loch in seiner alten Gibson haben will, dem sei gesagt, dass auch externe Lösungen, z.B. am Gurt, möglich sind. Tobias Pöhling ist ziemlich findig und findet sicher auch individuelle Lösungen.(...)

Noch viel mehr zum Thema Archtop gibt es auf www.archtop-germany.de

 

 

Am 13.01.2006 erschien der folgende Artikel im Lokalteil der Rheinischen Post: